Offener Brief an die Bundesregierung u.a. politisch tätige Personen, datiert: 11.10. 2011

STASI-Spitzel IMB „Czerny” gewürdigt; Ehrenvoll!

Die „Lumpen"* der Diktatur werden von der deutschen Politik hofiert und geehrt!

Mit diesem öffentlichen Schreiben und basierend auf den mir vorliegenden Unterlagen möchte ich auf ein Geschehen aufmerksam machen, dass die Gesellschaft insgesamt berührt und direkt in negativster Form in die höchsten Kreise dieser Bundesregierung mit Bundestag, dem Bundestagspräsidenten und sogar bis zum Bundespräsidenten Christian Wulff selbst reicht. Ich erlaube mir, an einem (meinem) Beispiel und in aller Klarheit aufzuzeigen, wie mehr als zwanzig Jahre nach dem Ende der zweiten deutschen Diktatur in der DDR die „Ehrlichkeit“ und die „Wahrheit“, zu der o.g. Klientel verpflichtet ist, verdrängt wird, dass Unrecht nicht benannt und das Volk (wieder) bewusst belogen wird.

Zur erfolgten Geschichte selbst:

Im Jahre 2000 erschien mein erstes Buch Im Visier, eine auf ca. 5000 Seiten MfS/Stasi-Akten basierende Dokumentation zu meiner Person.

Dieses Buch musste ergänzt und z.T. umgeschrieben werden, da im Jahre 2008 neue Akten und Unterlagen der BStU** aufgefunden und mir ungeschwärzt vom Bundesarchiv Berlin zugesandt wurden.

Es sind brisante Beweisunterlagen, die eindeutig zeigen, dass mich „im Sommer 1981“ der Berliner Rechts(?)Anwalt Lothar de Maiziere (IMB „Czerny“), letzter Ministerpräsident der ehemaligen DDR und direkter Zuträger der Staatssicherheit der DDR (MfS) in kollusiver*** Verbindung denunzierte und falsche Informationen über mich an MfS/Stasi lieferte!!!

Diese Denunzierungen, ein Straftatbestand, waren der Anlass zu meiner nicht freiwilligen Flucht nach West-Berlin und führten zur weiteren Verfolgung im Westen, im gesamten westlichen Ausland mit ungeahnten Drangsalierungen und Verunsicherungen, mit Zersetzungen und Mordversuchen. So liegt mir u.a. die schriftliche und ungeschwärzte Bestätigung von Generalleutnant W. Schwanitz zur „Liquidierung auf frischer Tat“ (Mordbefehl) im sog. „Operationsgebiet“ vor.

Diese Unperson Lothar de Maiziere trägt somit beweisbar eine erhebliche Schuld!!! Er ist ein DDR-Staatsverbrecher und hat seine anwaltliche Tätigkeit missbraucht, ist heute in der Bundesrepublik wieder in Organisationen, Gesellschaften und politischen Einrichtungen als Berater aktiv tätig. (z.B. ist er Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft e. V.)

Nur soviel zur bösen Vorgeschichte.

Im zwanzigsten Jahre der Wiedervereinigung wird besagter RA de Maiziere, ein direkter Helfer der DDR-Diktatoren, von der Bundesregierung und seiner sog. „Volksvertreter“ am 18. März 2010 als ,,Ehrengast" eingeladen, wird hofiert und gefeiert, darf „Ehrenreden“ vor dem versammelten Deutschen Bundestag (und der Welt) halten, wird mit „Ehrenpreisen“ ausgezeichnet, obwohl alle Parteien, alle Bundestagsfraktionen und mit ihnen das Bundestagspräsidium mit Prof. Lammert, das Bundeskanzleramt mit der FDJ-Kanzlerin Merkel sowie der Bundespräsident über die stark belastete Stasi-Zuträgerperson L. de Maiziere schon ca. zwei Monate vor o.g. „Ehrenrede“ per Fax von mir vorab informiert wurden!

Alle (verantwortlichen??) wussten also von der unrühmlichen Rolle des Lothar de Maiziere als IM „Czerny“ und den falschen und verlogenen Denunzierungen durch ihn zu meiner Person.

Nach der „Ehrenrede“ dieses „IM“ vor dem gesamten Deutschen Bundestag wandte ich mich an den Bundestagspräsident Lammert mit der Bitte einer Erklärung zu diesem „Eklat“. Seine bemerkenswerte Aussage dazu war:

Zitat:

„Der Bundestagspräsident will die genannte Problematik nicht kommentieren.“

Auf eine erneute Nachfrage zur Einladung des L. de Maiziere (IM „Czerny“) als „Festredner“ wurde vom Bundestagspräsidenten Lammert in einem weiteren Antwortschreiben mitgeteilt:

Zitat:

„..... de Maiziere wurde eingeladen .....“ natürlich in Kenntnis der damaligen Vorwürfe und Diskussionen über (s)eine mögliche Stasi-Tätigkeit“........“

Daraufhin erfolgte eine Anfrage bei Bundespräsident Wulff zu oben geschilderten Vorgängen und der Diskrepanz zwischen Demokratie, Freiheit in der BRD (auch Meinungsfreiheit) und der Staatssicherheit der ehemaligen DDR mit deren Vasallen (de Maiziére) und dem nicht zu akzeptierenden Verhalten heutiger „Volksvertreter“.

Aus dem Antwortschreiben des Bundespräsidenten (es waren exakt zwei Sätze):

Zitat:

„..... es wird „keine erschöpfende Auskunft“ erteilt ...“

Mein Widerspruch dazu erfolgte prompt mit folgender Frage:

Hätte der damalige Bundestag in Bonn, zwanzig Jahre nach Kriegsende (ca. 1965), eine Person, die erheblich und nachweisbar in die Nazi-Diktatur verstrickt war, als „Ehrengast“ vor dem Bundestag und dem gesamten deutschen Volk reden lassen und ihn auch „ehrenvoll“ behandelt?

Die Antwort des Bundespräsidenten steht noch aus. (Werde ich je eine Antwort erhalten?)

Am 17. November 2010 erhielt der Stasi-IM „Czerny“, Lothar de Maiziere, erneut eine Auszeichnung. Er wurde „Ehrenbürger“ seiner Heimatstadt Nordhausen. (auf Antrag der CDU) Die Laudatio dazu hielt (… in Kenntnis einer möglichen Stasi-Tätigkeit ...) der amtierende Bundestagspräsident Prof. Lammert!!!

Das alles ist feiger Opportunismus von führenden Repräsentanten dieser Bundesrepublik. Es ist eine von allen sog. Politikern systematisch praktizierte verlogene Heuchelei, da diese Klientel keine Skrupel und keine Moral kennt!

Eine solche Verhaltensweise der „heute regierenden“ ist instinktlos, inakzeptabel und muss angeprangert werden. Es ist beleidigend und ein ungeheurer Schlag ins Gesicht aller Opfer der DDR-Diktatur und aller Menschen mit Gewissen.

Diese, im Jahre 2010 vor der Weltöffentlichkeit erfolgte „Farce“ ist von öffentlichem Interesse und sollte zur Diskussion gestellt werden, denn es sind noch weitere Fakten dazu vorhanden!

gez. Willy H. Schreiber

* „Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant"; Zitat des stellvertretenden Vorsitzenden der UOKG Lothar Scholz, 25.11.2005
** BStU: Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik
*** kollusiv (jur) - verbotene, geheime und betrügerische Verabredung, unerlaubtes Zusammenwirken mehrerer Personen zum Nachteil eines Dritten

 


Lit.-Tipp 1: Deutschland 1990 / [Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, Zentrales Dokumentationssystem. Bearb.: Anna Maria Kuppe]. -  53. Staatssicherheitsdienst (STASI). - Bonn : Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, 1993. - 824 S.
Lit.-Tipp 2: Behling, Klaus; Eik, Jan
Vertuschte Verbrechen : Kriminalität in der Stasi / Klaus Behling ; Jan Eik. - 1. Aufl. - Leipzig : Militzke, 2007. - 224 S. ; 212 mm x 140 mm, 400 gr. ISBN 978-3-86189-769-9