Infos zum 160,9 Kilometerlauf auf den Spuren deutscher Geschichte


Pressegespräch mit Alexander von Uleniecki. Fotos und Audiorecording: Ralf Gründer Berlin

Am Samstag, den 20. August 2011, um 6 Uhr ist es soweit: An diesem Tag wird der ehemalige DDR-Bürgerrechtler und jetzige Vorstandsvorsitzende der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Rainer Eppelmann, als Schirmherr das Startzeichen für die 100MeilenBerlin im Stadion an der Lobeckstraße in Kreuzberg geben.

Zur Premiere werden rund 100 Sportlerinnen und Sportler aus dem In- und Ausland erwartet. Mit dem Lauf soll an den Mauerbau und seine Folgen für die Menschen in Ost und West erinnert werden. Aus diesem Grund verläuft der überwiegende Teil der Strecke auch auf dem Berliner Mauerweg, der den ehemaligen Grenzverlauf markiert. „Es wird gelaufen zur Erinnerung und zur Mahnung, dass dies nie wieder passieren kann. Das ist ein Anliegen, das ich massiv unterstütze“, sagt Rainer Eppelmann.

Am Anfang war eine Idee...

Dr. Ronald Musil, selbst ein begeisterter Berliner Ultraläufer, hatte vor einigen Jahren dje Idee, zum Jahrestag des Mauerbaus im Jahr 2011 einen solchen eher ungewöhnlichen Lauf auf dem Mauerweg zu organisieren. Vorbild waren die traditionsreichen 100-Meilen-Läufe in den USA, aber auch der Comrades-Marathon in Südafrika, der an die Opfer des Ersten Weltkriegs erinnert und dort seit vielen Jahren einen wahren Kultstatus genießt. Aus der fixen 100-Meilen-ldee wurde rasch ein konkretes Projekt: Im November 2009 gründete sich in Potsdam-Babelsberg die Langstreckenlauf-Gemeinschaft Mauerweg e.V.

Nach der Aufnahme in den Berliner Leichtathletik-Verband sowie den Landessportbund wurde vor einem Jahr mit MauerwegTour, einem mehrtägigen Etappenlauf auf dem Mauerweg, der erfolgreiche Grundstein für den bevorstehenden 100-Meiler gelegt. Ronald Musil wird übrigens die 160,9 Kilometer selbst als Teilnehmer bestreiten.

Ohne Unterstützung geht gar nichts

Die LG Mauerweg hat bislang nur knapp über 20 Mitglieder. Eigentlich viel zu wenig, um einen 100-Meilen-Lauf auf die Beine zu stellen. Nur durch die Unterstützung von Vereinen, Lauftreffs und Privatleuten war es möglich, eine ausreichende Versorgung der Läufer entlang des Mauerwegs sicherzustellen. So werden die 100-Meilen-Berlin u.a. durch den Potsdamer Laufclub, den TSV Berlin-Wittenau, die Lauftreffs von Lübars und Schönwalde, den Polizei-Sport-Verein Berlin, die Revierförsterei Krampnitz, die Karower Dachse, das Stadtarchiv Hennigsdorf, den Verein Checkpoint Bravo sowie den Ruderclub Oberhavel tatkräftig unterstützt. Mancher Verein nutzt die Veranstaltung für ein kleines Sommerfest. So wird es in Hohen Neuendorf die „Lange Nacht des Naturschutzturms“ geben. Neben Führungen durch den ehemaligen Wachturm werden ab dem Abend an der Turmaußenwand auch Projektionen der ehemaligen Grenzanlage zu sehen sein.

23 Verpflegungsposten unterwegs

Die Läuferinnen und Läufer werden fast rund um die Uhr versorgt. Nach dem Start in der Lobeckstraße wird es bis Kilometer 40 alle 10 Kilometer einen Verpflegungsposten (VP) geben, an dem sich die Teilnehmer mit Getränken und Speisen stärken können. Je nach Witterung werden zusätzlich Wasserposten eingerichtet. Ab Kilometer 40 werden die Abstände zwischen den VP geringer, sodass alle 5 bis 8 km Pausen eingelegt werden können - insgesamt also 23 Verpflegungsposten.

Zusätzlich können die Sportler eigene Fahrradbetreuer in Anspruch nehmen, um eine individuelle Versorgung sicherzustellen.

Medizinisch betreut werden die Teilnehmer vom DRK-Kreisverband Tempel/Kreuzberg, der mit mehreren Fahrradstaffeln und Posten entlang der Strecke im Einsatz sein wird.

30 Stunden für 100 Meilen

Eine besondere sportliche Herausforderung stellt das Zeitlimit der 100-Meilen-Berlin dar: die 160,9 Kilometer lange Strecke muss nämlich innerhalb von 30 Stunden bewältigt werden, ansonsten erfolgt keine Wertung. Ein Großteil der Läufer wird - davon ist schon jetzt auszugehen - in die Nacht hineinlaufen und erst am frühen Morgen das Ziel erreichen. Deshalb sind Stirnlampe und Warnweste ebenso Pflicht, wie das Mitführen einer gefüllten Getränkeflasche. Auch ein Mobiltelefon muss für den Notfall am Mann sein.

Aufgrund der relativ geringen Laufgeschwindigkeit und der in Relation zur Laufdistanz eher geringen Teilnehmerzahl ist die Strecke nicht abgesperrt. Wie auch für Freizeitläufer gilt deshalb für die Teilnehmer der 100-Meilen-Berlin die Straßenverkehrsordnung.

Namen und Favoriten, Vater und Sohn

Die Premiere der 100-Meilen-Berlin hat einige in der Ultralauf-Szene bekannte Namen in die Hauptstadt gelockt: mit Michael Vanicek und Jan Prochaska (beide von der LG Nord Berlin) durften zwei Lokalmatadoren zum engeren Favoritenkreis zählen. Darüber hinaus sind auch mehrere erfolgreiche Teilnehmer des Transeuropalaufs in Berlin am Start. Dieser ca. 4.500 Kilometer Ultralaufs führte 2009 von Bari über die Alpen bis hinauf zum Nordkap.

Von den ausländischen Läufern stechen John und Andrew Kraus hervor: John ist Deutsch-Amerikaner, 14 Tage vor der Berlin-Blockade geboren, und Teenager während des Mauerbaus. Zusammen mit seinem Sohn Andrew wird er nun nach Berlin zurückkehren und gemeinsam mit ihm die 100 Meilen in Angriff nehmen.

Andrew ist mit 24 auch der jüngste aller Teilnehmer, der älteste ist Dieter Albrecht aus Gerlingen mit stolzen 69 Jahren!

Wann und wo sind die 100-Meilen-Laufer zu sehen?

Nach dem Start am 20. August um 6 Uhr im Stadion an der Lobeckstraße werden die Läuferinnen und Läufer ungefähr in diesen grob geschätzten Zeitfenstern an den nachfolgenden Verpflegungsposten im Bereich des Mauerwegs erwartet:

VP 1 Sonnenallee 6.30 - 8.30 Uhr

VP 2 Klein-Ziethener-Weg 7-10.15 Uhr

VP 3 Kirchhainer Damm 8-12 Uhr

VP 4 Osdorfer Straße 9 - 13.45 Uhr

VP 5 Sachtlebenstraße 9.30 -15 Uhr

VP 6 Checkpoint Bravo (Kleinmachnow) 10-16 Uhr

VP 7 S-Bahnhof Griebnitzsee (Km 62,3) 10.30 - 17 Uhr

VP 8 Brauhaus Meierei (Neuer Garten Potsdam) 11-19 Uhr

VP 9 Revierforsterei Krampnitz 11.30 - 20 Uhr

VP 10 Kladower Straße 12 - 21.15 Uhr

VP 11 Kuckuckstraße (Kladow) 12.30 - 22.15 Uhr

VP 12 Gartenlaube Spandau 13-23 Uhr

VP 13 Falkenseer Chaussee 13.30 - 0.15 Uhr (21.8.)

VP 14 Steinerne Brücke Schönwalde 14 - 1.30 Uhr

VP 15 ehem. Wachturm Nieder Neuendorf 14.30 - 2.30 Uhr

VP 16 Ruderclub Oberhavel in Hennigsdorf (Km 117,6) 15 - 3.30 Uhr

VP 17 Hainbuchenstr. (Frohnau) 15.30 - 5.30 Uhr

VP 18 Naturschutzturm Hohen Neuendorf 16 - 6.30 Uhr

VP 19 Hattwichstr. (Glienicke/ Nordbahn) 16.30 - 7.15 Uhr

VP 20 Lauftreff Lübars (Blankenfelder Chaussee) 17 - 8.15 Uhr

VP 21 Bahnhof Wilhelmsruh 17 - 9.30 Uhr

VP 22 Gedenkstätte Bernauer Straße 17.30 - 10.30 Uhr

VP 23 Wilhelmstr./ Ecke Voßstr. 18-11.45 Uhr

Ankunft des ersten Läufers im Ziel ab etwa 19 Uhr im Stadion Lobeckstraße, Zielschluss um 12 Uhr am 21. August 2011.

Siegerehrung und Ehrengäste

Mit dem bekannten Ultralauf-Pionier und Journalisten Werner Sonntag wird ein ganz besonderer Gast in Berlin erwartet. Zwar wird der inzwischen 85-jähriger nicht mehr als offizieller Teilnehmer unterwegs sein, aber dafür den Mauerweg mit der für ihn reservierten Startnummer 100 abschnittsweise und im Wanderschritt auf seine eigene Art und Weise erkunden. Mit seinem bekannten Buch „Irgendwann musst du nach Biel" machte er den Bieler 100-Kilometer-Lauf in Deutschland populär. So mancher Marathonläufer hat den Einstieg in den Ultralauf diesem Werk zu verdanken...

Die Siegerehrung der 100-Meilen-Berlin wird am Sonntag, 21. August, um 12.30 Uhr vorgenommen. Dabei wird Schirmherr Rainer Eppelmann jedem Finisher - also allen Läuferinnen und Läufern, die innerhalb von 30 Stunden das Ziel erreicht haben - eine Medaille überreichen. Die 100-Meilen-Berlin-Medaille zeigt auf der einen Seite die Umrisse der Laufstrecke, auf der anderen Seite eine Abbildung von Chris Gueffroy, der 1989 in Berlin von DDR-Grenzsoldaten erschossen wurde.

Erwartet wird zu der Ehrung auch der grüne Europaabgeordnete Michael Cramer, der mit seiner Initiative 2001 den Grundstein für die Fertigstellung des Mauerwegs in seiner heutigen Form legte.


Tipp 1: Spitzer, Giselher
Sicherungsvorgang Sport : das Ministerium für Staatssicherheit und der DDR-Spitzensport / Giselher Spitzer. - 1. Aufl. - Schorndorf : Hofmann, 2005. - 701 S. : Ill.
(Schriftenreihe des Bundesinstituts für Sportwissenschaft ; 97) 
Literaturangaben.
ISBN 3-7780-8971-4

Tipp 2: Berendonk, Brigitte
Doping : von der Forschung zum Betrug / Brigitte Berendonk. - Aktualisierte und erw. Neuausg. - Reinbek bei Hamburg : Rowohlt-Taschenbuch-Verl., 1992. - 447 S. : graph. Darst. ; 19 cm.
(Rororo ; 8677 : rororo Sport) 
Literaturverz. S. 425 - 441.
ISBN 3-499-18677-2