Bericht über Ereignisse und Einsatz der Schutz- und Bereitschaftspolizei vom 13.8. - 13.11.1961

Ursachen hierfür waren:

Ansammlungen von einzelnen Personen oder Menschengruppen auf beiden Seiten der Grenze, die ihren Angehörigen oder Bekannten zuwinkten und dadurch Reaktionen bei der Vopo auslösten, die wiederum zu berechtigten, aber meist unbesonnenen Protesthandlungen, z.T. sogar zu gefährlichen Massenerscheinungen (Steinwürfe, Niederreißen der Sperren pp.) auf West-Berliner Seite führten.

In gleichem Maße riefen das provozierende Auftreten der Vopo sowie der nicht weniger provokatorische Einsatz der kommunistischen Lautsprecher im Grenzgebiet, der von östlicher Seite durchgeführte Ausbau der Grenzsperren und die Räumungsaktionen ähnliche Massenreaktionen hervor.

Hierzu kamen die täglich unter lebensgefährlichen Umständen West-Berliner Gebiet erreichenden Flüchtlinge, dass von West-Berliner Seite lebhaft begrüßte Auftreten der alliierten Schutzmächte an der Grenze, Ansammlungen von neugierigen West-Berlinern, die - angeregt durch ausführliche Berichterstattung in Presse und Rundfunk - ihr Ausflugsziel an die Mauer oder den Stacheldraht verlegten (alle Aufrufe des Senats und aufklärenden Artikel in der Tagespresse, die Sektor- und Zonengrenze nicht als Ausflugsziel zu betrachten, hatten nur wenig Erfolg), aber auch rowdyhaftes und provozierendes Verhalten einzelner West-Berliner.

Mit diesen ständigen Quellen für Unruhen an größtenteils vorher nicht zu bestimmenden, beinahe täglich wechselnden Orten musste sich die Schutzpolizei z.T. mit unpopulären Maßnahmen immer wieder auseinandersetzen.

Da polizeiliche Gegenmaßnahmen an der Sektor- und Zonengrenze nur mit starken Polizeikräften erfolgreich durchgeführt werden konnten und mit einer Verbesserung der Lage zunächst nicht zu rechnen war, wurde am 15.8.1961, 08.00 Uhr, für Schutz- und Bereitschaftspolizei „Große Alarmstufe“ angeordnet.

Neben dem Schwerpunktauftrag „Grenzsicherung“ musste auch der normale polizeiliche Aufsichtsdienst wahrgenommen werden. Kurzfristig angekündigte Besuche prominenter Persönlichkeiten aus aller Welt und zahlreiche damit im Zusammenhang stehende Veranstaltungen erforderten einen weit über den üblichen Rahmen hinausgehenden Kräftebedarf.