Ebertstraße

Jetzt gehe ich am Stacheldraht entlang, in zwei Meter Abstand, bis dicht an die Ebertstraße, da, über dem Buschwerk, ist schon das Brandenburger Tor zu sehen. Plötzlich werde ich angerufen. Hinter dem Stacheldraht, der hier nur einfach ist, stehen zwei Volkspolizisten, die Schnellfeuergewehre haben sie an die Hüfte gehoben. ”Haun Se ja bloß schnell ab”, sagt der eine. “Se befinden sich schon aufm Boden der Deutschen Demokratischen Republik!” Seiner Sprache nach könnte er aus Zwickau stammen: Schön, ich will abhauen, aber sofort ruft er, ich soll ja stehenbleiben und die Hände heben. Was noch? Der Stacheldraht hat kein Loch. Der Sprecher kommt dicht an den Zaun heran. Er sagt nachdrücklich: “Horche mal druff, solche wie die, die genn’ ich: Ihr wollt hier bloß brovoziern!” Das bestreite ich. Der andere Volkspolizist, halb hinter dem Sprecher, kneift ein Auge zu und macht eine etwas abfällige Kopfbewegung auf seinen Kollegen hin. Dieser sagt: “ich säh’ doch, was so’n Achtgroschenjunge is, hau bloß ab, Mensch!” Diesmal erlaubt er mir, daß ich seiner Aufforderung Folge leiste. (...)

 

Foto: Ebertstraße, © Helwig-Wilson, Aufnahmedatum ...

 

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