Mit einem Vorwort von Christian Pross (Behandlungszentrum für Folteropfer), Edition Hentrich

timo-zilli folterzelle-36

TIMO ZILLI kommt 1965 als Gastarbeiter aus Italien nach Berlin. Hier lebt er, wie die meisten West-Berliner, ein normales Leben - bis zum 11. November 1970. An diesem Tag kommt er angetrunken von einer Betriebsfeier. Auf dem S-Bahnhof Friedrichstraße muss er umsteigen. Hier kommt es zu einer Auseinandersetzung mit einem Vopo, er wird zusammengeschlagen und am nächsten Tag ins Polizeirevier am Alexanderplatz gebracht, wo man ihn fesselt und erneut schlägt. Timo Zilli wird ins Untersuchungsgefängnis Berlin-Pankow überführt. Er weigert sich, 20 000 DM für seine Freilassung zu bezahlen, woraufhin er zu einer Haftstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt wird, wegen staatsfeindlicher Hetze, Beihilfe zur Republikflucht und Gefahr für die sozialistische Gesellschaftsordnung.

Wenige Tage später wird das Strafmaß um ein Jahr reduziert und Zilli kommt ins Zuchthaus Rummelsburg. Als Gefangener Nummer 856082 beginnt für ihn die finstere Zeit seiner Gefangenschaft. Folter ist an der Tagesordnung: Stundenlang wird er an seinen Händen aufgehängt, nur die Fußspitzen dürfen den Boden berühren; tagelange Dunkelhaft, die die Häftlinge stehend in einer winzigen Zelle verbringen müssen, Fußtritte, Schläge und nicht zuletzt die zu erduldenden psychischen Qualen - das alles wird er nie ganz vergessen können.

Im Herbst 1972 wird Timo Zilli im Rahmen einer Amnestie anlässlich des 23. Jahrestages der DDR aus seiner Haft entlassen. Damit ist aber seine Leidenszeit noch nicht vorüber. Im Westen glaubt ihm niemand seine Erlebnisse, die Behörden schalten auf stur, da die Zeichen auf friedliche Koexistenz mit der DDR stehen.

Mit dem Mauerfall aber werden alle Erlebnisse wieder wach, er erhält Einblick in seine Stasi-Akten, und nun endlich glaubt man ihm. Timo Zilli hat die Geschichte seiner Haft in diesem Buch festgehalten. Es ist ein wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung der neuesten deutschen Vergangenheit, ein dunkles Kapitel nicht nur im Leben des Timo Zilli.


Die abgedruckten umfangreichen Stasi-Akten geben minutiös Aufschluss, wie die Stasi ihn schon lange vor seiner Verhaftung beschatten ließ. Timo Zilli wurde dort unter dem Decknamen „Wanderer“ geführt.



Tipp: Zilli, Timo
Folterzelle 36 Berlin-Pankow : Erlebnisbericht einer Stasihaft / Timo Zilli ; Christian Pross. - Sonderaufl. - Berlin : Ed. Hentrich, 1993. - 259 S. : Ill.
(Reihe deutsche Vergangenheit : Stätten der Geschichte Berlins ; 86)
ISBN 3-89468-060-1

Joomla templates by a4joomla