DDR-Museum Burg (Spreewald)

DDR-MUSEUM Burg. Fotos: © Pamelka Mattow & Ralf Gründer, Berlin, 20.07.2011

Das DDR-Museum in Burg ist eine erfreuliche Abwechslung an einem regenreichen Tag im Spreewald. Wenn der Aufenthalt auf den Fließen genauso feucht ist wie im Wasser und die Spreewald Terme von Besuchern nur so überquillt, können sich Geschichtsinteressierte im Museum Gegenstände des DDR-Alltags ansehen. In der ersten Halle stehen hauptsächlich Fahrräder, Mopeds, Motorräder und Fahrzeuge, die in der DDR zum Einsatz kamen. Ein junger Mitarbeiter des Museums kann mit fundierten Fachkenntnissen nahezu zu jedem Gefährt wissenswerte Fakten berichten. Allerdings darf man sich nicht von dem DAF-Militärfahrzeug („van Doorne Aanhanger Fabriek“) nicht irritieren lassen, denn dass stammt nicht aus der DDR und fuhr auch nicht auf sozialistischen Straßen, sondern ist Privatbesitz des Museumsleiters und stammt aus Holland.

Unser Plan ist unser Kampfprogramm!“

Außerhalb des Museums erinnert ein Betonbunker und einige Silo-L-Betonsegmente an den damaligen „Antifaschistischen Schutzwall“. Das Hinweisschild „Durchfahrt für das Personal der ausländischen Militärverbindungs-Missionen ist VERBOTEN!“ stand aber wohl hauptsächlich im Bereich von militärischen Sperrgebieten in der DDR als am „Eisernen Vorhang“.

25 Jahre DDR beweisen: Unser sozialistischer Weg ist richtig!“

Im Nebengebäude des Museums findet sich der allgemeine Alltag. Man sieht Produkte mit den Aufschriften „Trink fix“, RONDO KAFFEE, Götterspeise“, „ATA – fein“, „Silberreinigungsmittel, blanka blinH“, „KONSUM-KAFFEE“, „DAV .. DDR“, „Fay Weißmacher“; auf der Theke steht ein selbstgeschriebenes Schild „Bananen ausverkauft!“. Die meisten Besucher, die den Hinweis entdecken, schmunzeln, andere Lachen lauthals. In einem anderen Raum stehen Exponate der DDR-Radio- und Fernsehtechnik. Jahrzehnte später muten diese Geräte an wie stille Zeugen des Archaikums. Was mögen die Arbeiter und Bauern gedacht haben, wenn sie auf den Skalen nach den Sendern suchten, die sie hören wollten, dabei aber auch Namen lesen mussten, wie: Vatikan, Paris, Straßburg, Barcelona, Rom, London, Amsterdam, New York, Teheran; dort wohnten Bürger der freien Welt, deren Sender zu hören ihnen zu hören verboten war.

Mit dem Weltfriedensrat für Freiheit und Unabhängigkeit aller Völker“

Ein anderer Raum wurde als Kasernenunterkunft nachempfunden. Auf der unteren Etage eines Doppelhochbetts sitzt ein NVA-Soldat in Uniform mit Gasmaske. Sah so das Fundament der kommunistischen Zukunft aus? An der Wand der Fahneneid. „Ich schwöre, treue … bedingungslosen Gehorsam … Klassenkampf“. Daneben hängt eine Urkunde der Kommission für sozialistische Wehrerziehung an der grau-stumpfen Wand. Ausgestellt für „verdienstvolle Arbeit bei der sozialistischen Wehrerziehung“. Ein äußerst femininer Soldat sitzt hinter seiner Schreibmaschine, neben sich auf dem Tisch steht ein Wimpel mit der Aufschrift: „Kollektiv Deutsch-Sowjetische Freundschaft“ Wo sind all die russischen Freunde hin, 20 Jahre nach dem Untergang der DDR? Am Ende des Ganges trifft der Besucher auf eine Gefängnistür. Sie stammt von der Nachbarzelle von Gunther von Hagens, der wegen versuchter Republikflucht 1968 in den Stasigefängnissen Gera und Cottbus bis zu seinem Freikauf durch die Bundesrepublik Deutschland im August 1970 inhaftiert war.

Jugend unseres Landes! Baut auf dem sichern Fundament der DDR an Eurer kommunistischen Zukunft!“

In einem weiteren Zimmer findet die Geschichte der Berliner Mauer ihren Niederschlag. Das DDR-Museum zeigt hier eine Ausstellung zur Zeitgeschichte der „Bundesstiftung Aufarbeitung“, „Bild“ und „Die Welt“. Auf 19 Tafeln wird die Geschichte der Teilung dokumentiert: Besatzungszonen, Blockade, Klassenkampf, Westwärts, Mauerbau, Kahlschlag, Realpolitik, Verzweiflung, Grenzregime, Schießbefehl, Klein-Berlin, Fluchten, Menschenhandel, „Normalisierung“, Maueralltag, Revolution, Mauerfall, Aufarbeitung, Erinnerung lauten die Headlines der Poster. Für die Besucher, die diesen Teil der deutschen Geschichte nicht kennen und einen einfachen Einstieg in das Thema suchen, ist das eine hervorragende Schlechtwetterbeschäftigung.

Freundschaft mit der Sowjetunion – Herzenssache unseres Volkes“

Was fehlt ist ein kleines Café, in dem in Ruhe durch die antiquarischen Bücher gestöbert werden kann, die in drei Regalen zur Verfügung stehen.

40 – Gruß und Dank dem Sowjetvolk! Rum und Ehre den Helden der Sowjetarmee!“

Im Dezember 2011 zieht das DDR MUSEUM nach Vetschau um und wird dann direkt am Bahnhof, in der Güterzufuhrstraße 1, zu finden sein. Das Museum entsteht sozusagen „on the fly“, da es keine staatliche Förderung gibt, aber mit jedem Besucher, der seinen Obolus entrichtet und jedem Sammler, der ein Exponat dem DDR-Museum Vetschau stiftet, wächst die Ausstellung zu einem umfangreichen und informativen Museum an.


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