Vorderlandmauer in Plattenbauweise

Baugeschichte | ‚Zweite′ Generation Teil Ia - Schematische Darstellung der Vorderlandmauer der ,zweiten' Generation

Das erste Sperrelement (feindwärts) des „Antifaschistischen Schutzwalls″ war eine Grenzmauer in Plattenbauweise.

Von dieser Mauer gab es zwei Modifikationen.

Grenzmauer in Plattenbauweise. Quelle: BStU | K 752/3/001 - Grenzsicherungsanlagen und -technik, 1988, Signatur: K-752-3-001-453

Grenzmauer in Plattenbauweise. Quelle: BStU | K 752/3/001 - Grenzsicherungsanlagen und -technik, 1988, Signatur: K-752-3-001-453

Der Vorteil dieser Mauer gegenüber der Mauer der ,ersten' Generation bestand darin, dass sie aus vorgefertigten Stahlbetonfertigteilen hergestellt wurde und vor Ort nur noch aufgestellt werden musste.

Die Stahlbetonplatten wurden von den VEB Betonwerken Luckenwalde und Storkow mit folgenden Abmessungen hergestellt:

Variation a: 2430 breit, 1000 hoch und 60 stark [mm] bzw.
Variation b:
2430 breit, 500 hoch und 60 stark [mm]

Nutstiele: 4500 x 190 x 190 [mm]

Bei der Montage wurden jeweils drei Platten (1000 mm hoch) bzw. sechs Platten (500 mm hoch) zwischen einem Paar Nutstiele übereinander eingeschoben, sodass sich eine Mauerhöhe von 3 Metern ergab. Die 4,5 Meter hohen Nutstiele saßen 1,5 Meter tief im Erdreich verankert.

Als Übersteigschutz wurde ein Asbestbetonrohr

Variation 1: mit Metallverstrebungen aufgeflanscht
Variation b: aufgeschnitten und aufgesetzt. Diese Variante erhöhte zugleich die Festigkeit der Mauer, weil die Röhre die Mauer als Abschlusselement stabilisierte. Außerdem bot diese Variante eine geringere Angriffsfläche gegen Beschädigungen.

Dadurch, dass als Übersteigschutz nicht mehr die mit Stacheldraht bespannten Y-Abweiser zum Einsatz kamen, verringerte sich auch das archaische Erscheinungsbild der „KZ″-Mauer; zumindest dachten dies die „KZ″-Wächter.

Durch die Prefabrikation der Bauelemente verringerten sich die Bau- und Instandsetzungskosten bei verringerter Anfälligkeit gegen Witterungseinflüsse und Anschlägen aus dem Westen.

 


Tipp: Rathje, Wolfgang
"Mauer-Marketing" unter Erich Honecker : Schwierigkeiten der DDR bei der technischen Modernisierung, der volkswirtschaftlichen Kalkulation und der politischen Akzeptanz der Berliner "Staatsgrenze" von 1971-1990 / vorgelegt von Wolfgang Rathje. - 2001. - 996 S. - Kiel, Univ., Diss., 2001