Die Blockade der Berliner Westsektoren

Exkurs: 1. Blockade von Berlin (West) vom 24.06.1948 - 12.05.1949

Von den Sowjets wurde zur Durchsetzung der sowjetzonalen Währungsreform verbunden mit dem Ziel der Spaltung Deutschlands in der Nacht zum 24. Juni 1948 alle Verkehrsverbindungen zu den westlichen Sektoren von Berlin unterbrochen. Gleichzeitig wurden alle Lebensmittel- und Energielieferungen für Berlin (West) eingestellt.

Im Zuge der Blockade kam es zu weiteren Schikanen des öffentlichen Lebens

Unterbrechung der Telefonverbindungen

Abschaltung der Stromversorgung

Blockade der öffentlichen Verkehrswege

  • Straßenbahn

  • Buslinien

  • S-Bahnlinien

  • U-Bahnlinien

Absperrung der Trinkwasserversorgung

Regelung der Abwasserentsorgung

Zusätzliche längerfristige Maßnahmen bestanden in der Entflechtung der sowjetzonalen Transportwege zwischen Berlin (West) und dem sowjetischen Besatzungssektor (SBS) sowie der sowjetischen Besatzungszone (SBZ).

Über die Blockade schrieb Günter Neumann das „Insulanerlied″*, welches erstmalig am 25.12.1948 von Edith Schollwer im RIAS gesungen wurde.

Zur Überwindung des wirtschaftlichen Schadens, den Berlin (West) durch die Blockade erleiden musste, wurde das Notopfer Berlin** ins Leben gerufen.

Nachdem Ostberlin seine Abhängigkeit von Berlin (West) entkoppelt hatte, musste nur noch die propagandistisch ausnutzbare Situation hergestellt bzw. abgewartet werden, um dem Westen die Schuld an der hermetischen Abrieglung der westlichen Sektoren von Berlins in die Schuhe schieben zu können. Walter Ulbricht erschien dafür die Massenflucht aus seinem Herrschaftsbereich das geeignete Instrument. Der sowjetzonalen Propaganda zufolge hatte der Westen ein Heer von Achtgroschenjungen, Schmarotzern, Schiebern und Menschenhändlern in das demokratische Berlin (Ostberlin) entsandt, um die ehrlichen und fleißigen Nord- und Mitteldeutschen östlich der innerdeutschen Demarkationslinie in den verderblichen Sumpf des Kapitalismus abzuwerben bzw. zu entführen.

Obwohl Walter Ulbricht noch am 15. Juni 1961 auf seiner ersten internationalen Pressekonferenz frech die Welt belog, indem er frohlockte „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten″, lies er durch die Bauern und Arbeiter seines Arbeiter- und Bauernparadieses befestigte Sperren quer durch Berlin und um Berlin (West) errichten.

Berliner Blockade: „Abschnürung West-Berlins von allen Verbindungswegen und Zufuhren von und nach der Bundesrepublik, dem Sowjetsektor und der SBZ. Die Westmächte beantworteten die Blockade mit der Errichtung der Luftbrücke. Die Blockade vom 24.6.1948 bis zum 12.5.1949 wurde zwar durch die Währungsreform am 20.6.1948 ausgelöst, doch waren schon seit Februar 1948 die Verbindungswege wechselnd und zunehmend durch schikanöse Maßnahmen der Sowjets behindert worden. Die Blockade war einer der vielfältigen Versuche, Berlin (West) in den Sowjetblock einzubeziehen.″***

 


* CD 1 - Track 3 „Insulanerlied″ (Edith Schollwer). Günter Neumann und seine Insulaner : ein Stück Nachkriegsgeschichte Berlins im Spiegel einer Sendereihe von RIAS Berlin : Aufnahmen aus den Jahren 1948 - 1964 ; [CD] / Günter Neumann [Komp.] ; Olaf Bienert [Textverf.]. - Hambergen : Bear Family Records ; Berlin : Günter-Neumann-Stiftung, 1995. - 8 CDs + 1 Beih. (84 S.)
** Notopfer, siehe auch: Berlin Handbuch, Das Lexikon der Bundeshauptstadt, FAB Verlag, Seite 890-891
*** SBZ von a-z. Ein Taschen- und Nachschlagebuch über die Sowjetische Besatzungszone Deutschlands, Seite 87