Günter Lahmann | Biografische Notizen

Biografische Notizen zu Günter Lahmann - Das MfS gab sich größte Mühe Günter Lahmann zu beschreiben

Das MfS gab sich größte Mühe Günter Lahmann zu beschreiben; hier ein Beispiel der Beobachtungskunst:

BstU - 00022 - Lahmann. Günther,

1930 in Berlin geboren, ist Kameramann und bei Visnews Lfd. London fest angestellt. Er wohnt jetzt in D-6542 Liebeshausen, Hauptstr. 13. Es ist ein kleines Dorf mit ca. 400 Einwohnern im Hunsrück, ca. 30 km von Koblenz entfernt. L. hat sich in diesem Dorf ein altes Bauernhaus gekauft. Er muß das Haus völlig neu ausbauen, komme aber kaum dazu, weil er sehr viel unterwegs sei. Nach eigenen Angaben war Lahmann schon in allen Erdteilen als Kameramann tätig. Hauptsächlich arbeitet er aber in Kanada, Südamerika, Indien, Japan und Afrika. Er war auch schon in Nordkorea. L. hat auch bei der Beisetzung Titos in Belgrad gefilmt.

Am 14.7.80 fährt er zur Olympiade nach Moskau. Er fährt mit seinem eigenen Pkw vom Typ Mercedes. L. erzählte mir, daß die Fa. „Mercedes“ zur Olympiade in Moskau einen Pkw-Servicedienst unterhalte und die Strecke bis direkt nach Moskau betreue. Die Servicefahrzeuge vom „Mercedes“ seien immer mit einem Kfz-Experten der Fa. und einem sowjetischen Kfz-Fachmann besetzt. Er sagte dazu, man muß nur richtig wollen, dann geht auch vieles in Ordnung. L. ist fest überzeugt, daß er zur Olympiade in Moskau vorbildliche Arbeitsbedingungen vorfinden wird. Als Kameramann bei Visnews lfd. London dreht er hauptsächlich filmische Kurznachrichten auf allen Gebieten des Sports. Er kennt sich ausgezeichnet in der DDR und in Leipzig aus. Er ist fast ständig zu den Messen in Leipzig. Erstmalig war er 1952 zur Messe in Leipzig. L. arbeitete für alle bzw. zu allen bedeutenden Sportereignissen in der DDR. Er nahm an allen Turn- und Sportfesten in Leipzig teil. Lahmann lobt die Zusammenarbeit mit dem DFF, DTSB und der DEFA. Er hätte bei seiner Arbeit in der DDR nie Schwierigkeiten gehabt. Er betonte besonders, daß er nur das machte was genehmigt sei und keine Extratouren unternehme. Wenn seine DDR-Kollegen vom DFF oder der DEFA mal seine Unterstützung brauchten, dann helfe er auch, wenn er das kann, aus. L. sagte, daß er sich schon aufgrund seiner oftmaligen Arbeit in der DDR ein Urteil über die Republik erlauben könne. Er sehe nicht nur das, was noch nicht so funktioniere, sondern auch das Positive. Unter Führung von E. Honecker sei das DDR parteilich viel gelungen. Er glaubt, daß beide deutsche Staaten ihre Bedeutung, besonders in Europa noch stärker demonstrieren werden. Nach seiner Meinung ist es immer gut, wenn man miteinander redet und verhandelt und gegenseitiges Mißtrauen abbaut.

Ihn habe beeindruckt, wie E. Honecker und Schmidt auch in Belgrad zusammen gesprochen haben. Carter hat nach seiner Meinung keine politische Linie.

Den Vorsitzenden der CDU in der BRD, Kohl, bezeichnete er als einen politischen „Hohlkopf“ und Strauß sei als Bundeskanzler überhaupt nicht akzeptabel. Wörtlich: „Dieser Mann hat kein Gehirn und stinkt vor politischer Kompromißlosigkeit.“ Zum Olympiaboykott ist Lahmann der Meinung, daß sich damit der BRD-Sport in eine gewisse Isolation gebracht hätte. Er erwartet Sanktionen gegen den BRD-Sport durch bestimmte internationale Fachverbände. L. vertritt auch den Standpunkt, daß das NOK der BRD anders entschieden hätte, wenn der Druck der BRD-Regierung nicht so massiv gewesen wäre. Er hätte gerne eine BRD-Mannschaft in Moskau gesehen, ist aber der Meinung, daß auch ohne die BRD die Olympiade in Moskau nichts an Bedeutung einbüßt.

Lahmann steht politisch auf keinen Fall der CDU/CSU nahe. Er scheint zur SPD zu tendieren, ohne deren Mitglied zu sein. Er ist für ein gutes politisches Klima in den Beziehungen zwischen der DDR und der BRD, wobei er dabei wohl in 1. Linie davon ausgeht, daß für ihn dann nach wie vor auch für gute Arbeitsbedingungen in der DDR gesorgt ist.

Charakterlich ist Lahmann sehr aufgeschlossen und kontaktfreudig. Er ist redegewandt und erzählt gern. Er hat einen urwitzigen Humor. Den Gesprächspartnern paßt er sich an, behauptet aber seinen Standpunkt. Er spricht ein gutes Englisch. Auf seinem Fachgebiet ist er versiert. Er ist Nichtraucher, trinkt gern Bier, aber nicht übermäßig. Lahmann ist verheiratet und hat auch Kinder. Sein ältester Sohn muß demnächst zur Bundeswehr. Er hängt sehr an seiner Ehefrau und macht nicht den Eindruck, daß er zu außerehelichen Beziehungen tendiert. Die Ehefrau des L. fährt einen Lada 1200. L. selbst hat einen eigenen Pkw des Typs Mercedes. L. erzählte mir, daß er demnächst eine solche Stellung bei Visnews erhalten wird, die mit einem Dienst-Pkw für ihn verbunden ist. Dann will er seinen Privat-Pkw verkaufen.″