Ring um Berlin „Moderne Grenze“ - Aufgaben der „Grenzbrigaden“

Aufgaben der „Grenzbrigaden“

Die Sicherung und Kontrolle des Personen- und Warenverkehrs über die Grenzen nach dem freien Teil der Stadt - Berlin auf der Straße, auf den Schienen- und dem Wasserwege sowie die Verhinderung der „Republikflucht“ sind die Aufgaben der Grenzbrigaden.

In der vom „Ministerium für Nationale Verteidigung“, herausgegebenen Dienstvorschrift sind die für die Erfüllung dieses Auftrags festgelegten Pflichten und Aufgaben in allen Einzelheiten aufgeführt. In der bis vor kurzem gültigen DV-30/9 hieß es hierzu u.a.

„Der Angehörige des Grenzpostens (Gruppe von 2 oder mehreren bewaffneten Angehörigen der Grenztruppen) hat insbesondere unter allen Bedingungen und zu jeder Tageszeit Grenzverletzer festzustellen, vorläufig festzunehmen und wenn notwendig, entsprechend den Bestimmungen über den Gebrauch der Schusswaffe zu handeln;

die Geländeverhältnisse im eigenen Grenzabschnitt und im gegenüberliegenden Grenzgebiet, die zur Grenze führenden Wege und Straßen, unterirdische Anlagen und deren Zugänge, Schuppen, Ruinen, Kellerräume u.a. nicht bewohnte Bauten, die Grenzverletzern als Unterschlupf dienen können, genau zu kennen;

selbstständig den Kampf zu führen, wenn der Gegner mit Waffengewalt in seinen Postenbereich eindringt,

und seinen Postenbereich unter Einsatz seines Lebens auch gegen einen zahlenmäßig überlegenen Gegner zu verteidigen.

Der „Postenführer“ (Führer eines „Grenzpostens“ hat

„bei der vorläufigen Festnahme und Durchsuchung von Grenzverletzern aus einer Deckung heraus, die die vorläufige Festnahme und Durchsuchung durchführenden Grenzposten zu sichern und bei der Zuführung Festgenommener ununterbrochen bereit zu sein, einen plötzlichen Angriff der vorläufig Festgenommenen abzuwehren oder einen Fluchtversuch zu verhindern;

gemeinsam mit den ihm unterstellten Posten den befohlenen Postenbereich gegen jegliche Angriffe bewaffneter Kräfte unter Einsatz seines Lebens zu verteidigen und den Gebrauch der Schusswaffe entsprechend zu befehlen.“

(zitiert nach „Ring um Berlin“, von Polizeihauptkommissar Heinz Hackbarth, in „Die Polizei", Köln, 8.5.1965)

Die Grenzsicherungsanlagen um West-Berlin werden von der Zonenpropaganda als Verteidigungsmaßnahme deklariert, obwohl sie von der Anlage her eindeutig nach innen, d.h. also gegen die Überwindung der Grenze von Seiten der Sowjetzone aus, ausgebaut sind. Lediglich am Brandenburger Tor, dem sowjetzonalen Besichtigungspunkt für ausländische Delegationen und am Potsdamer Platz, sind im Vorfeld der Mauer Panzerhindernisse aufgebaut worden, um optisch eine Art Verteidigungsstellung zu demonstrieren.

„Das revanchistische Geschmeiß und die Frontstadtpolitiker in Westberlin sollten über die Feststellung in der jüngsten Note der Sowjetregierung an die drei westlichen Besatzungsmächte nachdenken:

„Die Grenze in Berlin ist nicht einfach eine Grenze zwischen zwei Staaten. Sie ist eine Verteidigungslinie gegen den in Westberlin geschaffenen Militärstützpunkt der NATO, eine Linie gegen jene, die Kriege vorbereiten und Konflikte suchen.“

Diszipliniert und besonnen stehen unsere Soldaten an der Grenze. Sie lassen sich nicht provozieren. Sie schützen ihren Staat und seine Burger. Sie „verbürgen die Respektierung unserer Rechte und die Einhaltung unserer Gesetze. Sie tun noch mehr: Sie schützen nicht irgendeinen Staat, „sondern den deutschen Staat, der den historischen Auftrag hat, dafür zu sorgen, dass niemals wieder von deutschem Boden ein Krieg ausgeht. Sie tragen zum ersten Male in unserer Geschichte Waffen und Uniformen, sie gehorchen zum ersten Mal Befehle, sie dienen zum ersten Mal in Deutschland einem Staat, damit Frieden ist.“

(„Unsere Staatsgrenze - ein Wall gegen den Revanchismus“, Sonderdruck für den Agitator in Nr. 12/62 der NVA-Zeitung „Volksarmee“)

„Gewiss, die Mauer, welche die militärische Invasion verhinderte, Spione lahmlegte und Schieber bändigte, kurz: den Frieden rettete - diese Mauer hat auch manche Familien- und Freundschaftsbande unterbrochen. Diese Begleiterscheinungen bedauern auch die Bürger der DDR.“

 


Quelle: „Die 'Mauer' und die Menschlichkeit“, Flugblatt der SBZ, 1962