Fahnenappell mit Peter Thomson

Fahnenappell im Grenzregiment 44. Quelle: Berliner-Mauer-Archiv

„Mit der weiteren Zuspitzung der Klassenauseinandersetzung zwischen Sozialismus und Imperialismus gewinnt die zuverlässige Sicherung an der Staatsgrenze der DDR zur Gewährleistung des Friedens weiter an Bedeutung″

schrieb Peter Thomsen noch am 23.12.1988. Im FHG-Jahresplan für das Ausbildungsjahr 1988/89 heißt es weiter:

Im Ausbildungsjahr 1988/89 wird die politisch/ideologische und militärische Bildungs- und Erziehungsarbeit mit den FHG auf der Grundlage des Befehls 40/88 des Kommandeurs Grenzkommando-Mitte, des Befehls 20/88 des Kommandeurs des Truppenteils und des Planes der politischen Arbeit für das Jahr 1988/89  mit dem Ziel geführt:

- weitere Mobilisierung der FHG zur Gewährleistung von Ruhe, Ordnung und Sicherheit im Grenzgebiet, um so ihren eigenständigen Beitrag bei der Erfüllung der im Truppenteil gestellten Aufgaben herauszuarbeiten.

- Vertiefung der Erkenntnis über die zunehmende Bedeutung der Gewährleistung einer solchen Ordnung und Sicherheit im Grenzgebiet, die den zuverlässigen Schutz unserer Staatsgrenze gewährleistet."

In Anbetracht der Tatsache, dass bis zu 70 % der „Angriffe″ auf die sogenannte Staatsgrenze der DDR zu Berlin (West) aus dem eigenen Hinterland erfolgten, sicherten die Grenztruppen und mit ihnen zusammen die „Freiwilligen Helfer der Grenztruppen″ (FHG) das Grenzsperrgebiet von der einheimischen Bevölkerung. Sie sollten schon möglichst vor Erreichen der Hinterlandsperren erkannt und abgeführt werden. Um Zivilisten soweit zu indoktrinieren, dass sie in jedem Bürger, der sich dem Antifaschistischen Schutzwall nähert,  einen Klassenfeind sehen, erforderte ein gewaltiges Potenzial an „Rotlichtbestrahlung″. DDR-Bewohner machten Jagd auf DDR-Bewohner.

Weiter schreibt Peter Thomsen: „ Der Dienst ist zu organisieren:

- paarweise in Uniform oder Zivil
- Gruppen bis zu 6 FHG
- kombiniert mit einem AGT
- zu Komplexeinsätzen im ZW mit der DVP oder zur Raumsuche für 1-2 Stunden im Grenzgebiet

Es ist zu sichern, dass jeder zum Grenzdienst vorgesehene FHG monatlich 6 - 8 Stunden zum Einsatz kommt.

Den FHG der Kategorie 4b sind spezifische, auf die Person abgestimmte Aufgaben zuzuordnen, z. B. Aufklärung und Kontrolle von Unterschlupfmöglichkeiten, Baustellen, Objekte, Anlagen in der Höhe des Wohnortes bzw. berechenbare Aufgaben für oder in der Einheit.″

Der „friedliche Bürger″ mutierte nach seiner Arbeitszeit zum Spür- und Suchhund der Grenztruppen!

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Tipp: Sälter, Gerhard
Grenzpolizisten : Konformität, Verweigerung und Repression in der Grenzpolizei und den Grenztruppen der DDR 1952 bis 1965 / Gerhard Sälter. Hrsg. vom Militätgeschichtlichen Forschungsamt. - Berlin : Links, 2009. - X, 482 S. ; 210 mm x 148 mm.
ISBN 978-3-86153-529-4

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