Sektorengrenze | Invalidenstraße (GÜSt)

Der Übergang Invalidenstraße („GÜSt″) war seitens der SED-Machthaber für Bürger West-Berlins zugelassen

Hinweisschild: „Achtung! Sektorengrenze 150 mtr.” in der Invalidenstraße. Foto: © Sigurd Hilkenbach, 01.05.1963

Mit der Abriegelung der Sektorengrenze wurde die Invalidenstraße auf der Höhe der Sandkrugbrücke zu einem innerstädtischen Übergang (Terminologie Ost: Grenzübergangsstelle = GÜSt) zwischen Ostberlin-Mitte und West-Berlin, Moabit. Seitens der SED war diese „GÜSt″ nur für Westberliner Bürger zugelassen. Da die Soldaten der Roten Armee nach der Ermordung von Peter Fechter (17. August 1962) am Checkpoint Charlie heftigsten Attacken protestierender Westberliner ausgesetzt waren, mussten die Wachablösungen für das Sowjetischen Ehrenmal und das Alliierte Kriegsverbrechergefängnis auf den Übergang Invalidenstraße ausweichen.

Während östlich der Mauer so genannte Angehörige der bewaffneten Organe der DDR (Grenzpolizisten [Grepos], Volkspolizisten [VPs], Transportpolizisten [Trapos] ) die Todeszone etablierten und jeden niederschossen, der sich ihrer Meinung nach unberechtigt in ihrem Machtbereich aufhielt, konnten wenige Meter weiter westlich alle Personen an einem Imbiß völlig entspannt Erfrischungen getrunken und Würstchen verspeist werden.

Im Umfeld des Übergangs Invalidenstraße wurden durch die so genannten „Bewaffneten Organe der DDR″ vier Flüchtlinge ermordet, sieben Flüchtlinge und ein Kind schwerst verletzt. Beim Schusswechsel mit der Berliner Schutzpolizei kam ein „KZ″-Wächter beim Versuch der Ermordung eines Kindes durch einen Querschläger zu tode.

Im Bereich Invalidenstraße, Spandauer Schifffahrtskanal und Humboldt-Hafen wurden von „KZ″-Wächtern folgende Personen erschossen:

Günter Litfin († 24.08.1961), Walter Heike († 22.06.1964), Paul Stretz († 29.04.1966), Heinz Schmidt († 29.08.1966).

Ein Todesopfer der so genannten „Grenzpolizei″ der DDR war Peter Göring († 23.05.1962).
Schwer verletzt wurden Wilfried Tews (23.05.1962) und sieben weitere Flüchtlinge (12.05.1963).

 


Film-Tipp: Die Mauer - Eine deutsche Geschichte, Dokumentation, Folge 1: Beton und Stacheldraht, 2 x VHS, 6 x ca. 45 min.
Literatur-Tipp
1
: Die Straßenbahnlinien im westlichen Teil Berlins, Der Wiederaufbau ab 1945 und die Stillegung im Westteil der Stadt bis 1967, Erster Teil: Linien 1-54, Wolfgang Kramer, Sigurd Hilkenbach, Claude Jeanmaire, Verlag Eisenbahn
Literatur-Tipp 2
: Straßenbahnlinien in Berlin (West), Der Wiederaufbau ab 1945 und die Stillegung im Westteil der Stadt bis 1967, Erster Teil: Linien 55-199, Wolfgang Kramer, Sigurd Hilkenbach, Claude Jeanmaire, Verlag Eisenbahn