Umgehung der westlichen Sektoren von Berlin durch den Bau des Güteraußenrings

Anfang 1951 wurde in der Sowjet-Zone mit dem Bau des Güteraußenrings begonnen. „Dieser sollte es ermöglichen, im Eisenbahnverkehr zwischen der Sowjetzone und dem Sowjetsektor die Berliner Westsektoren zu umgehen bzw. den Eisenbahnverkehr zwischen der Sowjetzone und Westberlin gänzlich zu unterbinden. Diesem Plan entsprechend wurde unter anderem von der Reichsbahndirektion Ost am 25.04.1952 angeordnet, den Anhalter und den Stettiner Bahnhof zu schließen. Der Zweck dieser Maßnahme war, den Verkehr zwischen Thüringen und Berlin, der über den in Westberlin gelegenen Anhalter Bahnhof, und den Verkehr zwischen Mecklenburg und Berlin, der durch den französischen Sektor zum Stettiner Bahnhof im Ostsektor lief, auf den Güteraußenring zu leiten und so jede Berührung Westberlins zu vermeiden.

Mit der Einführung des neuen Sommerfahrplans am 18.05.1952 wurde der gesamte über die Berliner Westsektoren laufende Eisenbahnverkehr eingestellt.

 

Um jeglichen Güterverkehr zwischen der Sowjetzone und dem Sowjetsektor über die Westsektoren abzustellen, ist den sowjetzonalen Behörden kein Umweg zu groß. So beträgt die Strecke zwischen Birkenwerder und Pankow im normalen Eisenbahnverkehr 15 km. Um jedoch die Fahrt durch den französischen Sektor zu umgeben, wird der Gütertransport von Birkenwerder über Oranienburg — Löwenberg — Templin — Eberswalde nach Pankow umgeleitet, was einem Umweg von 240 km entspricht.″

 


Quelle: Die Sperrmaßnahmen der Sowjetzonenregierung an der Zonengrenze und um Westberlin, Hrsg. Vom Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen, Bonn 1953, Seite: 24 – 32; Texterkennung und Hervorhebungen von Ralf Gründer, Redaktion Berliner-Mauer.de

 

Der sowjetzonale Havel-Kanal

Das häufig vorgebrachte Argument, eine Stadt sei nicht zu trennen, dient nur der Verschleierung der Tatsache, dass der Westen tatenlos zugesehen hat, wie die Sowjet-Zone unermüdlich die Abspaltung vorangetrieben hat. Um auch der Transport auf den Wasserstraßen zwischen der Sowjet-Zone und dem sowjetischen Sektor nicht durch die westlichen Sektoren abwickeln zu müssen, wurde frühzeitig mit der Realisierung des Havel-Kanals begonnen.

 

In einer schon 1952 veröffentlichten Studie der Bundesregierung heißt es:

 

„Um auch im Wasserstraßenverkehr nicht auf eine Zusammenarbeit mit dem freien Westberlin angewiesen zu sein, beschloss der „Ministerrat der DDR“ am 19. April 1951, einen Umgehungskanal zwischen Paretz und Nieder-Neuendorf, den sogenannten Havel-Kanal zu bauen. Die Begründung lautete, der Kanal diene „der Verbesserung des Schifffahrtsweges und zur Beschleunigung des Schiffsverkehrs zwischen Elbe und Oder″.

 

Die Fadenscheinigkeit dieser Begründung wird deutlich, wenn man die Ausführungen der sowjetzonalen Zeitschrift „Der Verkehr“ vom Juli 1952, S. 200 betrachtet. Hier heißt es: „Die Binnenschiffe unserer Deutschen Demokratischen Republik können jetzt, ohne den Schikanen der Westmächte im Westsektor Berlins ausgesetzt zu sein, ihre wertvollen Ladungen termingerecht an die Empfangsorte bringen.″

 

Durch die Errichtung des Kanals entfiel die Möglichkeit für den Westen, die Ladungen dieser Transporte auch nur im entferntesten beobachten zu können. Mit anderen Worten: Die sowjetisierten Deutschen konnten vom Westen unbeobachtet Rüstungsgüter zwischen Ostberlin und der Sowjet-Zone verschiffen.

 

Am 28. Juni 1952 wurde der Kanal dem Verkehr übergeben. Seitdem zweigt die Wasserstraße bei Niederneuendorf aus der Havel-Oder-Wasserstraße ab und mündet erst wieder in der Nähe von Paretz in den Sacrow-Paretzer-Kanal (Untere Havel-Wasserstraße).

 

 

 

 

Lit.: Die Flucht aus der Sowjetzone und die Maßnahmen des kommunistischen Regimes vom 13. August 1961 in Berlin, Kapitel II. DIE SPERRMASSNAHMEN AM 13. AUGUST 1961 IN BERLIN, Hrsg. Vom Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen, Bonn und Berlin, Seiten 32 – 36; Texterkennung und Hervorhebungen durch Ralf Gründer, Redaktion Berliner-Mauer.de
Kartografie: Havalkanal

 

Auszug aus dem Befehl des Chefs der SMA (1) für das Bundesland Sachsen, datiert: 04.12.1946

Dresden

Betr.: Den Schutz der tschechoslowakischen und polnischen Grenzen des BL Sachsen

Ich befehle:

...

5. Die Posten des deutschen Grenzschutzes sowie die Bezirks- und Abschnittsinspektionen des Grenzschutzes sind in operativer Hinsicht nur den entsprechenden Militärbefehlshabern zu unterstellen.

6. Personen, die unrechtmäßig die Grenze überschreiten sowie die bei ihnen sichergestellten Vermögenswerte (Autos, Wertgegenstände, Waffen und übriges Sachbeweismaterial) sind von den Militärwachen und von den Posten der deutschen Grenzpolizei an die entsprechenden Instanzen gemäß der Instruktion vom 25. November 1946 über den Schutz der tschechoslowakischen und polnischen Grenzen weiterzuleiten.

7. Für die Bewaffnung des Personalbestandes der deutschen Grenzpolizei sind Karabiner mit dem Kaliber 7,92 einzuführen.

Die Richtlinien für die Anwendung der Waffen durch die deutsche Grenzpolizei sind in einer Spezialinstruktion vom 23.11.46 festgelegt.

Der Präsident der Landesverwaltung Sachsen, Herr Dr. Friedrichs, hat:

a) Den Grenzwachen zur Erstellung von Wällen, Gräben und Stachelverhauen nach ihren Angaben Arbeitskräfte zur Verfügung zu stellen.

b) Dem Grenzschutz die Gebäude der ehemaligen Zollposten an der Grenze der Tschechoslowakei zur Verfügung zu stellen.

c) Räumlichkeiten für die Unterbringung der Dienststellen des Grenzschutzes an der polnischen Grenze sowie Räumlichkeiten für den Grenzschutz und seine Familien an der gesamten Grenze zur Verfügung zu stellen.

d) Für die Versorgung der Ämter der deutschen Grenzwache und des Personalbestandes mit Brennstoff in der Saison 1946/47 zu sorgen.

e) Dem Personalbestand der Grenzpolizei, deren Wohnungen an ihren früheren Arbeitsplätzen zu bewahren.

f) Die Versorgung des Personalbestandes der Grenzpolizei mit allen Arten von Lebensmitteln, Geld und Sachlieferungen gemäß dem Etat der Grenzpolizei vom 23.11.46 einzurichten.

g) Sein Gutachten über das Ausmaß der prozentuellen Zuschläge zum Gehalt der Grenzpolizei im Zusammenhang mit dem Gesuch des Polizeipräsidenten, Herrn Hoffmann, vorzulegen.

h) Bis zum 15. Dezember 1946 bei den Bezirks-Polizeipräsidien in Chemnitz, Dresden und Bautzen Untersuchungsgefängnisse für je 100 Personen für die illegalen Grenz-Übertreter einzurichten.

Der stellvertretende Chef der SMA für das BL Sachsen - Generalmajor Dubrowski

Der Stabschef der SMA f.d. BL Sachsen - Garde-Generalmajor Dudorow

Für die Richtigkeit des Auszuges:

Für den Kanzleichef der Verwaltung der SMA f.d. BLS,

Gardemajor Bjelousow

gez. Unterschrift


Tipp: Befehl des sowjetischen Stadtkommandanten zum Aufbau einer Stadtpolizei, des Gerichtswesens und der Staatsanwaltschaft. In: Berlin : Chronik der Jahre ... / hrsg. im Auftrag des Senats von Berlin, bearb. vom Landesarchiv Berlin, Abteilung Zeitgeschichte. Gesamtl. Albrecht Lampe. - S. 250

Tipp: Grewe, Wilhelm
Ein Besatzungsstatut für Deutschland : die Rechtsformen der Besetzung / Wilhelm Grewe. - Stuttgart : Koehler, 1948. - 233 S.

FN (1) SMA: Abk. für Sowjetische Militäradministration in Deutschland

In den 3048 Meter hohen und 32 Kilometer breiten Luftkorridoren flogen zu Spitzenzeiten bis zu 300 Flugzeuge gleichzeitig. Beladen flogen die „Rosinenbomber″ durch den nördlichen und südlichen Luftkorridor nach Berlin (West) und entladen durch den mittleren in einen der 11 Flugplätze in den Westzonen zurück.

Verkehrsverbindungen West-Berlins
Grafik: Verkehrsverbindungen: Straßen, Zugverbindungen und Flugkorridore. Quelle: Staatsbürgerliche Informationen, BERLIN, Deutschlands Hauptstadt, Folge 97, Jan. - Feb. 1962

Um die geforderte Transportleistung zur Versorgung der West-Berliner Bevölkerung erzielen zu können, wurde der Einsatz der Maschinen optimiert. Die Flugzeuge flogen in einem 3 Minutentakt in einem Abstand von 13, 5 km mit einer Geschwindigkeit von 270 km/h in fünf übereinander liegenden Ebenen in Richtung Berlin. Die Flughöhen waren 1. 1524 Meter, 2,

 

5.) Fortsetzung der Trennung der Stadt

Trennung der Telefonverbindungen
Trennung der Stromversorgung
Trennung der öffentlichen Verkehrswege

  • Straßenbahn

  • Buslinien

  • S-Bahnlinien

  • U-Bahnlinien

Trennung der Trinkwasserversorgung
Regelung der Abwasserentsorgung

Entflechtung der sowjetzonalen Transportwege aus der SBZ in den SBS

Nachdem Ostberlin seine Abhängigkeit von Berlin (West) entkoppelt hatte, musste nur noch die propagandistisch ausnutzbare Situation hergestellt werden, um dem Westen die Schuld für die hermetische Abrieglung der westlichen Sektoren von Berlins in die Schuhe schieben zu können. Ulbricht erschien dafür die Massenflucht aus seinem Herrschaftsbereich das geeignete Instrument. Der sowjetzonalen Propaganda zufolge hatte der Westen ein von Herr von Achtgroschenjungen, Schmarotzern, Schiebern und Menschenhändlern in den demokratischen Sozialismus entstand, um die ehrlichen und arbeitssamen Mitteldeutschen in den verderblichen Sumpf des Kapitalismus zu entführen. Obwohl Ulbricht noch am 15. Juni 1961 auf seiner ersten internationalen Pressekonferenz frech die Welt belog


6.) Die Jahre vor dem Mauerbau

Die Zustandsbeschreibungen des »Antifaschistischen Schutzwalls» wurden von der DDR als pionier- und signaltechnischer Ausbau der Staatsgrenze bezeichnet.

Die DDR begann mit der Errichtung der »Grenzsperranlagen« entlang der Berliner Sektoren- und Zonengrenze am 13. August 1961.

Folgt man den Ausführungen von General Lucius D. Clay, stand bereits vor 1950 fest, dass die sowjetische Besatzungszone (SBZ) (die spätere »nicht-souveräne« DDR) und der sowjetische Besatzungssektor von Groß-Berlin (SBS) (die spätere Hauptstadt der DDR) durch massive Sperranlagen bzw. eine Mauer von Berlin (West) abriegelt werden sollte.

 

 
Am 13. August 1961 sperren Kampfgruppen der DDR den Sektorenübergang zwischen Ost und West am Brandenburger Tor. Foto: © Arved Raabe, Berlin.
 
Literaturtipp: Entscheidung in Deutschland, Lucius D. Clay, 1950
 
 
Auch nach der Vereinigung 1990 durch den Beitritt der mitteldeutschen Länder hat Deutschland seine ursprüngliche territoriale Größe nicht wieder erlangt. Die Gebiete Ostdeutschlands, vormals als die Kornkammer Deutschlands bezeichnet, sind durch Hitler und seinem Rot gefärbten Nachvollstrecker unwiederbringlich verloren.
 
 
Fußnoten