Produktion: DDT - Das freie Dokumentarfilm-Team
Ralf Kurpiers spricht im Interview über seine Untersuchungshaft und seine Entlassung aus der Untersuchungshaftanstalt I. Auch erwähnt er die Verstrickungen seiner damaligen Ehefrau Astrid Böker, die angeblich an einem Tunnelbau beteiligt gewesen sein soll. Der Tunnelbau scheint allerdings nicht real zu sein, sondern entspringt der Phantasie des Stasi-Informanten „Bono“, der sich die Gier der Stasi nach Staatsfeinden zu nutzen machte, um sich etwas dazu zu verdienen.
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Reaktion 1:
Die ganze Erzählung ist unlogisch und unplausibel:
Fluchttunnel mit 300m Länge:
Ein solcher Tunnel ist in keiner seriösen Quelle oder Forschungsliste dokumentiert. Die längsten bekannten Tunnel unter der Berliner Mauer (z.B. „Tunnel 57") hatten maximal etwa 145m. Ein 300-Meter-Tunnel vom Osten aus wäre logistisch undurchführbar gewesen - und historisch auffällig. -
Am 9. Februar 1990 hat es mit Sicherheit keine formelle Entlassung aus der Staatsbürgerschaft der DDR wegen Ausreise mehr gegeben.
Sehen Sie die Entlassungsurkunde weiter unten!
Das entsprechende Gesetz wurde von der Modrow-Regierung bereits am 30.01.1990 abgeschafft, de facto bestand es schon seit dem Mauerfall nicht mehr. Eine Ausweisung mit der Fristsetzung von 6 Stunden mit maximal 20kg Handgepäck hätte weder eine praktische noch rechtliche Grundlage gehabt.
Auch Untersuchungshaft aus politischen Gründen zählt zu den rehabilitierungsfähigen Tatbeständen.
Die politisch motivierte Inhaftierung in der DDR - auch wenn sie formal als „Untersuchungshaft" deklariert wurde - fällt unter das Gesetz zur Rehabilitierung (z. B. StrRehaG). Das betrifft besonders Haftzeiten, die zwischen 1949 und 1990 lagen und auf nicht-strafrechtliche Grundlage erfolgten.
Die Geschichte, dass Stasi-Agenten am 9. Februar 1990 auf dem Flughafen Tegel noch hinter einer DDR-Bürgerin her waren, entbehrt jeder Grundlage, da die Stasi zu diesem Zeitpunkt bereits in Auslösung und nicht mehr handlungsfähig war. Ein gezielter Zugriff auf Westberliner Territorium (Flughafen Tegel) wäre zu diesem Zeitpunkt juristisch wie logistisch unmöglich gewesen.
(Für die SED/Stasi gab es doch keine juristischen Hindernisse in Bezug auf die Jagd nach Staatsfeinden. Es wurden Kinder und Jugendliche erschossen und Menschen aus Berlin (West) entführt [z. B. Wilhelm van Ackern, Karl Wilhelm Fricke] [*1]. Des weiteren versuchte die Stasi, im Ausland lebende ehemalige DDR-Bürger zu liquidieren, siehe zum Beispiel die Geschichte Willy Hieronymus Schreiber [*2]
Im Februar 1990 waren in der Stasi-Haftanstalt Hohenschönhausen nur noch ehemalige hochrangige DDR-Funktionäre (u.a. Kessler, Mielke, Tisch) inhaftiert, denen man Korruption und Amtmissbrauch vorwarf. Ab Ende 1989 wurden in der ehemaligen zentralen Untersuchungshaftanstalt der Stasi in Berlin-Hohenschönhausen keine politischen Häftlinge im klassischen DDR-Sinne mehr festgehalten. Es gab also im Frühjahr 1990 bereits keine politischen Gefangenen mehr, die hätten entlassen werden können.
Reaktion 2:
Der Stasi-Informant BONO berichtete ...
1970-08.20: Maßnahmeplan über den Verdacht einer Personenschleusung unter Mißbrauch einer Auslandsreise und des ungesetzlichen Einführens von Rauschgift.
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1970-09-01: Auszug aus einem Treffbericht vom 31.08.1979
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1970-09-04: Sachstandsbericht
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1970-09-25: Plan der Maßnahmen zur Verhinderung der beabsichtigten Tunnelprovokation im Grenzabschnitt Wollankstraße / Stadtbezirk Berlin-Pankow
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1970-10-01 - Stellungnahme zum Plan der Maßnahmen zur Verhinderung der beabsichtigten Tunnelprovokation
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1970-10-12: Versionen zur weiteren Bearbeitung der feindlichen Gruppierung, die die Tunnel-Provokation im Raum Wollankstraße beabsichtigten
1971-08-XX: Operationsplan zum Operativ-Vorgang „Austria“ - Reg. Nr.: XV 1995/70
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1971-08-24: Sachstandsbericht zum Operativ-Vorgang „Austria“
Akte: MfS-HA-VI Nr. 1210 - Sachstandsbericht zum Operativ-Vorgang „Austria“, Reg. Nr. XV 1995/70, Dat.: 24.08.1971
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In dieser Akte wird von einem geplanten Tunnel berichtet, der von der Liesenstraße 13 zum gegenüberliegenden Friedhof reichen sollte. Da Herrn Kurpiers keine vollständige Tunneldokumentation der Stasi von der BStU übergeben wurde, lassen sich nur folgende Schlüsse ziehen. Den Tunnelbau gab es nur in der Phantasie des IM „Bono“, der die Stasi belogen hat, um sich ev. wichtig zu machen, um für seine Spitzeldienste entlohnt zu werden. Ungeachtet dessen war die Stasi wild entschlossen, den Tunnel während eines Fluchtversuchs auffliegen zu lassen und plante u.a., die „Böker“ erst gar nicht festzunehmen, sondern sofort an Ort und Stelle zu liquidiieren.
mi.: Entlassungsschein aus der Untersuchungshaftanstalt I Berlin, Fritz-Große-Straße 36, 24.11.1989
re.: Urkunde - Entlassung aus der Staatsbürgerschaft der DDR, ausgestellt für Astrik Böker am 9.2.1990
Dokument: MfS ....
[*1] Bautzen II - Sonderhatanstalt unter MfS-Kontrolle 1956 bis 1989. Bericht und Dokumentation.
[*2] Willy Hieronymus Schreiber: Im Visier - Anatomie einer Flucht; Eine zeitgeschichtliche und autobiografische Dokumentation, 261 S., Vindobona, 2001










