Berliner Mauer | Antifaschistischer Schutzwall

Synonyme: Mauer, Schandmauer, Blutmauer, Kerkermauer, „KZ”-Mauer, „KZ”-Wand, Ulbrichtmauer, GULag-Wall, SED-Mauer, Todeszone, bolschewistische Mordgrenze, Sprüchewand, Pißwand

Slideshow: DEUTSCH-DEUTSCHE GRENZE, Fotos: Grenztruppen der DDR, 1988/9, Toncollage: Rheinhard Hummel, Berlin, 1989.

Mauerbau

Von langer Hand vorbereitet begannen die be­waff­ne­ten Or­ga­ne der DDR un­ter der Lei­tung von Erich Honecker in den frühen Mor­gen­stun­den des 13. August 1961 die in­ner­städ­tische Sek­tor­en­gren­ze (47 km) und die Ber­lin­er Zo­nen­gren­ze (117 km) - wie schon zu­vor die in­ner­deut­sche Grenze (1380 km) am 28. Mai 1953 - her­me­tisch zu ver­bar­ri­ka­dier­en.
Ca. 17 Mill. Menschen wurden in ein KZ gesperrt und von den be­waffne­ten Or­gan­en der DDR be­wacht, be­spit­zelt und geis­tig ent­mün­digt.

Mauerfall

28 Jahre später, am 9.11.1989, stürmten die Ost­ber­lin­er die Über­gänge nach Ber­lin (West). Zu­vor hat­te aber Un­garn ein Loch in ihre West­gren­ze ge­ris­sen (19.08.1988) und tau­sen­de DDR-Be­woh­ner de­mon­strier­ten ge­gen ihren Un­ter­drück­ungs­staat. Letzt­lich aber war es der Strom hun­dert­tau­sen­der To­tal­ver­wei­ger­er, die ihre Hei­mat - koste es was es wolle - ver­ließen, und in der­en Strom ein po­li­ti­sches Va­kuum der Hilf­losig­keit ent­stand, dass die SED-und Stasi­greise in den po­li­ti­schen Ab­grund stürzte.

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Internationale Pressekonferenz

... im „Großen Festsaal” im „Haus der Ministerien”, Ostberlin am 15.06.1961

Auf die Zwischenfrage der Journalistin Annamarie Doherr (Frankfurter Rundschau) „Herr Vorsitzender, bedeutet die »Bildung einer Freien Stadt« […], dass die Staatsgrenze am Brandenburger Tor errichtet wird, und sind Sie entschlossen, dieser Tatsache mit allen Konsequenzen Rechnung zu tragen?”, antwortet Walter Ulbricht: „Ich verstehe Ihre Frage so, dass es Menschen in Westdeutschland gibt, die wünschen, dass wir die Bauarbeiter der Hauptstadt der DDR mobilisieren, um eine Mauer aufzurichten, ja? Mir ist nicht bekannt, dass eine solche Absicht besteht, da sich die Bauarbeiter in der Hauptstadt hauptsächlich mit Wohnungsbau beschäftigen und ihre Arbeitskraft voll eingesetzt wird. Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!”

Zuvor hatte die DDR in einem Appell an die Westmächte wiederholt den Abschluss eines Friedens­vertrages und die Regelung der Westberlin-Frage im Sinne der sowjetischen Vorschläge gefordert. Demnach sollte Westberlin in eine »friedliche, neutrale freie Stadt« umgewandelt werden.

Am 13. August 1961 wurde der RING UM BERLIN »überraschend« geschlossen. Schon beginnend mit der Berliner Blockade (24.06.1948 - 12.05.1949) wurde Berlin durch die sowjetzonalen Organe systematisch getrennt. Die zunächst noch sehr improvisierten Grenzsperren wurden in der Folge pioniertechnisch weiterentwickelt und perfektioniert. Das für den westlichen Betrachter auffallendste Element, die »Grenzmauer 75«, war letztlich aber nur ein Element in einem komplexen und vielgestaltigen System von mobilen und stationären Sperren. Die wichtigste Sperre war jedoch der »Grenzsoldat«, der bei Dienstantritt durch die Vergatterung darauf eingeschworen wurde, »Grenzverletzungen« nicht zu­zu­lassen und »Grenzverletzter« zu vernichten! Merkwürdigerweise wird dem wichtigsten Sperrelement des ehemaligen „Antifaschistischen Schutzwalls” in der Berliner Gedenk- und Erinnerungslandschaft nicht Rechnung getragen. Zu Kunst modifizierte stationäre Sperren dominieren die Gedenklandschaft. Stahlträger symbolisieren einen Beobachtungsturm. Stahlwände lassen die Mauer zur Miniatur zusammenschrumpfen. Andere Spuren weisen auf die Opfer oder auf die Täter oder auf beide zugleich hin! Linien im Boden deuten zaghaft Fluchttunnel an. Den Opfern wurde allerdings in der Bernauer Straße ein leuchtendes Denkmal errichtet. Leider bliebt den Besuchern aber verborgen, wieso junge uniformierte Diener ihres Staates DDR, der sich auch als „Friedensstaat” bzw. „Friedensmacht” bezeichnete, zu kaltblütigen Mördern an Kindern, Frauen und Männern wurden. Wieso haben militärisch hochausgebildete und aufgerüstete Männer wehrlose Kinder und Bürger ihres eigenen Staates erbarmungslos niedergeschossen, ihnen Erste Hilfe verweigert, die Menschenrechte entzogen?
Will man verschweigen, dass die staatlichen Repräsentanten der DDR ihren Staat als organisiertes Verbrecherunternehmen missbrauchten, dass dieser Staat als kriminelle Vereinigung funktionierte - und dass heute noch Repräsentanten dieser vormals staatlich-kriminellen Vereinigung als Politiker und Vertreter des Volkes ungestraft weiterdienen dürfen:
„Der Staat” lässt seine Diener nicht im Stich: Mord, Betrug und Verrat als Berufskompetenz für die politische Karriere in der Demokratie!
Ich rufe auf zu einer weiteren öffentlichen Porträtwand, mehrere Meter hoch und lang. Sie soll die Gesichter der „Mauerschützen”, der „Verräter” und „Zersetzer” zur Schau stellen. Die Gesichter der Menschen, die als „IM” dienten, die Mord befohlen haben, die im System mitliefen, die für ihre berufliche Karriere Familienmitglieder, Freunde, Berufskollegen verrieten.
Die Spitzel, Verräter und Mörder aus der DDR sind unter uns! Denkt an die Worte der Betroffenen:
„Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant!”. Klagt an und legt ihnen endlich das Handwerk. Für eine STASI-freie Regierung, für eine STASI-freie Bundesrepublik!

Berliner Mauer 1961 - 1989

Verboten: Berliner Mauer­kunst

Literatur von Ralf Gründer über die Kunst an der Berliner Mauer, Titel: Verboten, Berliner Mauerkunst, 
    ISBN 978-3-412-16106-4
... eine Dokumentation von Ralf Gründer

352 Seiten, ca. 400 Fotos, Hardcover
ISBN 978-3-412-16106-4
Anfang der 80er Jahre begannen Künstler aus aller Welt die »Grenzmauer-75« mit großflächigen Bildern zu bemalen. Die Geschichte dieses pazifistischen Widerstands gegen das unmenschliche Grenzsperr-Regime der DDR erzählt dieses Buch.
Die nach dem ‚Westen’ blickende Seite der Berliner Mauer war die längste Sprüche- bzw. Leinwand der Welt. Mit der Errichtung der Sperranlagen erschienen zuerst politisch motivierte Slogans: „KZ-Wand!” „Die Mauer muss weg!”, „Die Schande muss weg”, „DDR = KZ”. Mit der Errichtung der Grenzmauer der dritten Generation (»Grenzmauer-75«) begann Anfang der 80. Jahre die Revolution der Graffiti- und Mauerkunst.
Zu den ersten Akteuren gehörten: PVC, Lilli Berlin, Marianne Sanders, Jürgen Mann, David Wojnarowicz, Jonathan Borofsky, Rainer Fetting, Barbara Quandt, Stephan Elsner ua.


Zitat

Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.

Walter Ulbricht, 15.06.1961